Erfahrungsbericht mit dem digitalen Versicherer FRIDAY

Der Druck der Digitalisierung in der Versicherungswirtschaft entsteht auch durch die Erfahrungen des Kunden aus der gesamten online Einkaufswelt. Die Verfahren müssen schnell, einfach und preisgünstig sein bei einem gleichzeitig hohem Service. Eigentlich ein Widerspruch, der im Onlinehandel aber vorgelegt wird. Gleichzeitig ist es eine der Gründe, warum es nach digitalen Vermittlern nun auch digitale Versicherer gibt.

Zu FRI:DAY

Seit Jahren wird die Versicherungswirtschaft immer digitaler. Seit dem Jahr 2017 werden die Versicherer selbst digital. Einer der ersten Sprößlinge ist die Versicherung mit Namen FRIDAY. Mutter der jungen Gesellschaft ist eine Versicherung der alten Gerneration, die Baloise. Chef in Deutschland ist Herr Christoph Samwer.

Name

Der Name mag zuerst verwundern. Wie (fast) alle jungen Versicherer wollen dieses das Wort Versicherung nicht benutzen. Es ist mit zu vielen nagetiven Eigenarten besetzt. Das ist bei Freitag anders. Es ist der letzte Tag vor dem Wochenende, kurz vor dem Wochenende und soll damit positiv besetzt sein.

Aufmachung der Seite

Öffnet man die Webseite, so drängt sich in der Mitte der 1 Cent Tarif auf. Er springt förmlich aus dem Bildschirm den Betrachter an.

Sonst ist die Seite gestaltet, wie man es aktuell erwartet. Sie ist übersichtlich und nicht überladen. Weiterhin sind Informationen zum Team (es wird nicht mehr von Mitarbeitern gesprochen) oder ein Blog üblich. Dadurch soll die Versicherung ihre Anonymität verlieren. Vielmehr kann sich so der Kunde als Teil des Teams bzw. der Community fühlen.

Antragsprozess

FRIDAY möchte in den kommenden fünf Jahren eine sechsstellige Kundenanzahl erreichen. Dabei ist der Onlineverkauf nicht einfach. Ganz wesentlich für den erfolgreichen Verkauf ist dabei der Antragsprozess. Der Antrag soll einfach, schnell und bequem ausfüllbar für den Kunden sein, sonst springt der Kunde ab. Mit jeder weiteren Minute, die der Kunde für die Formulare benötigt, erhöht sich die Absprungwahrscheinlichkeit. Nicht umsonst hat sich Check24 im Gerichtsverfahren aus dem Jahr 2017 gegen jede einzelne zusätzliche Frage gewehrt, die ihm bei der Online-Beratung auferlegt werden sollte.

Diese Probleme begegnet FRIDAY indem der Abschluss digital, papierlos und in 90 Sekunden abgeschlossen werden kann.

1 Cent Tarif

Zielgruppe von FRIDAY, so nach Angabe von Herrn Samwer, sind nach eigenen Angaben Menschen bis 50 Jahre, junge Familien und Young Professionals aus dem urbanen Raum. Es geht dabei um Personen, die nicht nur auf das Auto angewiesen sind sondern auch andere Fortbewegungsmittel nutzen können, wie öffentliche Nahverkehrsmittel, Taxi, Fahrrad oder Carsharing.

Der Tarif basiert (immer) auf einem monatlichen Grundbeitrag und den gefahrenen Kilometern (pro Kilometer 1 Cent oder mehr). Dazu gibt der Kunde bei Vertragsschluss die geschätzte Kilometerleistung an. Fährt er mehr, muss er nachzahlen, fährt er weniger, bekommt er etwas von der Kilometerleistung zurück.

Ein weiterer Vorteil für die Kunden ist die tägliche Kündigungsmöglichkeit des Vertrags.

Selbsttest

Der 1 Cent Tarif hört sich interessant an. Daher mache ich gleich den Selbsttest. Ich fahre etwa 20.000 km im Jahr. Dann wäre die Prämie bei 200 € und das wären mehr als die Hälfte weniger als ich jetzt zahle. Auch bei reduzierten Verwaltungskosten zu “Altversicherern“ kann ich mir eine solche Preisdifferenz nicht vorstellen. Der Großteil der Prämie in der Kfz-Versicherung wird bekanntlich für die Schäden verwendet. Das kann bei FRIDAY nicht anders sein.

Nun zum Selbstversuch. Den Antragsprozess durchlaufe ich schnell und einfach. Ich habe keine Unterlagen mit und trotzdem bekomme ich mit wenigen Angaben ein Versicherungsangebot. Darüber bin ich sehr positiv überrascht, sogar schon etwas begeistert.

Der Preis ist dann nicht schlecht aber auch nicht gut. In jedem Fall ist er weit weg von einem Cent pro Kilometer. Überrascht bin ich über die zusätzliche Monatsgebühr. Ähnlich wie beim Stromtarifen, wo zu den Verbrauchsgebühren noch Grundgebühren hinzukommen. Diese Grundgebühren verdoppell noch einmal meine Prämie. Ich liege umgerechnet nicht bei 1 Cent sondern mit den Gebühren bei etwa bei 2,5 Cent. Das bedeutet aber, dass ich selbst dann, wenn ich mein Auto das ganze Jahr stehen lasse, maximal die Hälfte wiederbekomme. Bei der Grundgebühr komme ich mir vor wie auf Flugvergleichsseiten, die kurz vor dem Bezahlvorgang höhe Gebühren aufschlagen und so aus einem billigen einen teuren Flug machen. Darüber bin ich verärgert. Ich suche im Netz nach anderen Erfahrungsberichten. Die Eintragungen die ich dort finde bestätigen meine subjektive Ansicht. Auch dort fühlt man sich an der Nase herumgeführt. Warum nicht schon vorher auf die monatlichen Beträge verwiesen wird erklärt sich mir nicht.

Auch das eigene Beispiel von FRIDAY zum 1 Cent Tarif hat eine monatlichen Grundgebühr. Es gibt also keinen Vertrag ohne!! Darüber hinaus verstehe ich das Beispiel nicht. Es geht um einen VW Lupo mit einer jährlichen km-Leistung von 6.000 km. Bei der Tarifgruppe wird eine jährliche km-Leistung von 11.4000 km angegeben. Der Betrag beläuft sich auf 8,13 € monatlich. Die Rechnung kann ich nicht nachvollziehen. Worauf bezieht sich der Beitrag? Auf die 6.000 km oder die 11.400 km? Ist in den 8,13 € schon ein Differenzbetrag (Rückerstattung oder Nachzahlung) eingerechnet?

 friday 1 Cent Beispiel

Wenn man sich die Informationen auf der gesamten Homepage zusammensucht, so finet man den Hinweis, dass der 1 Cent Tarif besonders für Wenigfahrer bis 6000 km geeignet sei. Zusätzlich gibt es auch den klassischen Tarif (Friday Original). Diesen habe ich für mein Beispiel ebenfalls ausrechnen lassen. Bei meiner Fahrleistung war er preisgünstiger als der 1 Cent Tarif. Schade finde ich, dass man darauf nicht hingewiesen wird! 🙁 Warum wird bei dem Ergebnis des 1 Cent-Tarifs nicht der klassische Tarif mit angeboten? Denn wenn der preisverwöhnte Online-Kunde den 1 Cent-Tarif nicht abschließt ist er weg! Die Konkurrenz ist Online näher als im persönlichen Vertrieb.

 

Fazit

Viel Licht aber auch Schatten 

Der Antrag ist sehr schnell ausgefüllt. Es gibt keine großen Hürden, warum der Kunde den Prozess verlassen sollte.

Der Tarif selbst ist nicht ganz neu. Auch jetzt schon gibt es Tarife, die sich nach der Kilometerleistung staffeln. Davon abhängig wird der Prämie berechnet. Ob man es nun Grundbetrag und Kilometerpauschale nennt oder ein einheitlicher Betrag berechnet wird, macht für den Kunden keinen Unterschied. Neu ist jedoch, dass der Kunde für weniger Fahrleistung einen Teil seiner Prämie wiederbekommt. Dieses wird den Kunden freuen. Vermutlich ist dieses sogar ein Alleinstellungsmerkmal von FRIDAY am Markt. Auch bei der täglichen Kündigungsfrist kann FRIDAY punkten.

Das gewählte Beispiel, um den 1 Cent Tarif zu erklären, ist verwirrend. Dieses hätte man besser erklären können.

Im Preis scheint FRIDAY nicht der Billiganbieter zu sein, wenngleich er preisgünstig ist. Damit wird es der Neue im Onlinemarkt vermutlich schwer haben. Online-Wechseler wollen es häufig besonders preisgünstig. Angelockt werden sie durch die Vorstellung, dass sie nur für ihre gefahrenen Kilometer zahlen. Von einer monatlichen Grundgebühr erfährt man erst am Ende des Antragsprozesses. Hiermit schadet sich der neue Versicherer selbst. Denn diese Besuche werden so schnell nicht wiederkommen.

Weitere Links zu FRIDAY

Erfahrungen anderer Kunden.

Erfahrungsbericht von Herrn Krautkrämer mit einem Eigentest.

Pressebericht zu FRIDAY



Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.