Mitarbeiter als Minijobber im Versicherungsbüro

Krankheiten von Mitarbeitern oder wiederkehrende Arbeitsspitzen machen immer wieder einen flexiblen Arbeitseinsatz notwendig. Meist führt es zu Mehrarbeit bei den vorhandenen Mitarbeitern. Warum also nicht für diese Zwecke eine geringfügig beschäftigte Person suchen, die die Arbeiten erledigen kann? Diese sogenannten Minijobber können die Lösung sein. Dabei sind sie auch von den Abgaben, die der Arbeitgeber und Arbeitnehmer leisten müssen, attraktiv. Doch was muss ich als Arbeitgeber bei der Einstellung und während des Vertragsverhältnisses beachten?

Wann liegt ein Minijob vor?

Beschäftigte, die bis zu maximal 450 Euro im Monat verdienen, gelten als Minijobber. Näheres ist im Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) geregelt, wonach Minijobber als Teilzeitbeschäftigte gelten. Minijobber sind im Arbeitsrecht mit den gleichen Rechten und Pflichten ausgestattet wie Vollzeitarbeitnehmer. Dabei macht es keinen Unterschied, ob der Mitarbeiter eine oder fünfzehn Stunden die Woche arbeitet.

Allerdings muss darauf geachtet werden, dass der Mitarbeiter im Monat nicht über die 450€ Grenze kommt, denn sonst fallen höhere Abgaben für Arbeitgeber und Arbeitnehmer an. Die Jahresverdienstgrenze liegt damit bei 5.400 €. Hat ein Mitarbeiter mehrere Minijobs, werden die Löhne addiert. Sollten Weihnachts- und Urlaubsgeld gezahlt werden, so wird dieses zum Jahreslohn hinzugerechnet, wodurch der Höchstbetrag ebenfalls überschritten werden kann.

Der Mindestlohn liegt aktuell bei 8,84 € und gilt für alle Arbeitsverhältnisse. Werden 50 Stunden im Monat geleistet, so wird ein Betrag von 442 € (50 x 8,84 €) erreicht. Folglich wird ab der 51. Stunden die Minjob-Grenze überschritten. Soweit der Tarifvertrag in der Apotheke greift, muss das Gehalt darüber ermittelt werden, so dass die monatliche Arbeitszeit unter 50 Stunden im Monat liegen kann.

Wie flexibel ist der Einsatz?

Bei einem neuen Mitarbeiter können Regelungen zu den Arbeitszeiten in den Arbeitsvertrag aufgenommen werden. Dieses kann beispielsweise ein fester Tag in der Woche (Samstag) sein, ein Zeitraum (täglich eine Stunde in der Zeit zwischen 15:00 und 17:00 Uhr) oder auch eine Wochenarbeitszeit. Die Vereinbarung hängt vom geplanten Einsatz und den Vertragsparteien ab. Ist eine Regelung im Arbeitsvertrag festgelegt, so kann sie später nicht mehr einseitig abgeändert werden. Der Arbeitsvertrag sollte daher nicht zu unflexibel gestaltet werden.

Für eine weitere Flexibilität hat der Gesetzgeber eine Ausnahme von der monatlichen 450€ Regelung geschaffen. Es bleibt eine geringfügige Beschäftigungen, wenn der Monatsbetrag nur gelegentlich und unvorhersehbar überschritten wird. Dabei wird als „gelegentlich“ ein Zeitraum von bis zu drei Monaten im Jahr akzeptiert. Zusätzlich muss der Grund für die Überschreitung unvorhergesehen gewesen sein. Dieses liegt zum Beispiel bei einem unerwartetem Ausfall eines Mitarbeiters vor, so dass kurzfristig eine Vertretung benötigt wird. In dieser Zeit kann die Grenze von 450 € überschritten werden. Am Jahresende dürfen es aber trotzdem nicht mehr als 5.400 € sein.

Was muss bei der Einstellung beachtet werden?

Ein Minijobber besitzt die gleichen Rechte und Pflichten wie jeder andere Mitarbeiter. Der Arbeitgeber muss aber darauf achten, dass aus einem Minijob nicht eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wird. Denn in diesem Fall muss er mehr und höhere Abgaben bezahlen. Das wäre der Fall, wenn neben einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung mehr als ein Minijob ausgeübt wird, einer jedoch ist erlaubt. Ein Minijob neben der Hauptarbeit beim gleichen Arbeitgeber ist hingegen nicht erlaubt. In diesem Fall werden die Tätigkeiten zusammengerechnet.

Besteht keine sozialversicherungspflichtige Haupttätigkeit dürfen mehrere Minijobs bei verschiedenen Arbeitgebern ausgeübt werden, die zusammen die monatliche Grenze von 450 € nicht übersteigen dürfen. Anderenfalls tritt die Versicherungspflicht ein und jeder der Arbeitgeber muss höhere Abgaben leisten. Dieses betrifft nicht nur den überschießenden Betrag, sondern das gesamte Gehalt. Entsprechend muss eine Vereinbarung im Arbeitsvertrag aufgenommen werden, dass der Arbeitnehmer bei Vertragsbeginn verpflichtet ist, alle Tätigkeiten zu nennen und alle zukünftigen Beschäftigung zu melden. Nur so kann sich der Arbeitgeber von möglichen Nachforderungen schützen.

Was kommt an Abgaben zum Lohn hinzu?

Der Arbeitgeber muss für einen geringfügig beschäftigten Mitarbeiter folgende pauschale Beiträge und Abgaben an die Minijob-Zentrale1 abführen:

  • 13 Prozent des Arbeitsentgelts zur Krankenversicherung (soweit der Arbeitnehmer nicht privat krankenversichert ist)

  • 15 Prozent des Arbeitsentgelts zur Rentenversicherung,

  • 2 Prozent des Arbeitsentgelts als einheitliche Pauschalsteuer (bei Verzicht auf die Vorlage der Lohnsteuerkarte),

  • 1,2 Prozent des Arbeitsentgelts als Umlagen (nach dem Aufwendungsausgleichsgesetz).

Es sind also 31,2 Prozent des Arbeitsentgelts des Minijobbers vom Arbeitgeber als Abgabe zu zahlen. Bei einem 450-Euro-Beschäftigten macht das 140,40 Euro zusätzlich pro Monat für den Arbeitgeber. Ein Minijobber auf 450-Euro-Basis kostet den Arbeitgeber folglich 7.084,80 Euro pro Jahr (zwölfmal 450 Euro Arbeitslohn und zwölfmal 140,40 Euro Pauschalbeitrag).

Gibt es auch Lohnfortzahlung im Krankheitsfall?

Einen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gibt es auch für Minijobber, gleiches gilt bei Schwangerschaft und Mutterschutz. Der Grundsatz lautet, dass Teilzeitbeschäftigte nicht unbegründet schlechtergestellt werden dürfen.

Kann ich den Vertrag jederzeit beenden?

Teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmer haben grundsätzlich den gleichen Kündigungsschutz wie vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer. Das betrifft sowohl den allgemeinen Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz (KSchG), als auch den besonderen Kündigungsschutz. Hierunter fällt unter anderem das Mutterschutzgesetz (MuSchG), das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG).

Das Kündigungsschutzgesetz greift, wenn in einem Betrieb regelmäßig mehr als zehn Arbeitnehmer ‒ ohne Auszubildende − beschäftigt sind und das Arbeitsverhältnis mindestens sechs Monate ununterbrochen bestanden hat.

Hinweis

Ein Rechner für die Berechnung der Abgaben befindet sich auf der Internetseite der Minijob-Zentrale2.

Nicht berücksichtigt sind dort die Kosten für die Unfallversicherung. Diese kommen zusätzlich hinzu. Die Meldung an die zuständige Unfallversicherung muss durch den Arbeitgeber zusätzlich erfolgen.

Wie erfolgt die Übermittlung?

Die Übermittlung der Sozialversicherungsdaten und der Beitragsnachweise muss auf elektronischem Weg erfolgen. Dazu dürfen nur Programme genutzt werden, die die datenschutzrechtlichen Sicherheitsanforderungen erfüllen. Entsprechende Programme hat der Steuerberater, der die Lohnabrechnung erstellt. Alternativ wird über die Seite der Minijob-Zentrale eine kostenlose Software (SV.Net) zur Verfügung gestellt.

Weiterführende Links zu dem Thema

Artikel zum Thema Minijob und Rentner finden Sie beim VersicherungsJournal.

Das BWV-Hannover bietet ein arbeitsrechtliches Seminar mit Herrn Fleck als Referenten an. Eine Anmeldung kann hier erfolgen.

Ein Buch zum Thema der selbstständige Vermittler als Arbeitgeber kann beim VersicherungsJournal erworben werden



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