Allgemein

Versicherungstage 2018 der IHK Stuttgart und der IHK Detmold

Die IHK Stutgart und die IHK Detmold veranstalten im Jahr 2018 jeweils einen Versicherungstag.

Versicherungstag der IHK Region Stuttgart

Der 10. Stuttgarter Versicherungstag findet am Donnerstag, 22. Februar 2018, in der Zeit von 12:30 bis 18:00 Uhr in den Räumen der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart (Jägerstraße 30, 70174 Stuttgart) statt. Hauptthema sind Informationen zum Stand und zur Umsetzung der IDD. Informationen können hier nachgelesen werden.

Referenten sind:

  • Bernd Engelhardt, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Region Stuttgart

  • Anja C. Kahlscheuer, Rechtsanwältin, Geschäftsführerin des BVK, Bonn

  • Dr. Hans-Georg Jenssen Geschäftsführender Vorstand des BDVM, Hamburg

  • Dr. Susanne Pauser, Vorstandsmitglied Württembergische, Versicherungen, Stuttgart

  • Jürgen Leinwand, Stv. Geschäftsführer Abteilung Außenwirtschaft und Dienstleistung der IHK Region Stuttgart

Behandelt werden die folgenden Themen:

  • IDD – Inhalte und Prozess des Gesetzgebungs- verfahrens, Gestaltungsspielraum der Verbände

  • Niemand ist eine Insel – Auswirkung der IDD auf die Vermittlerschaft

  • IDD – Aufwand und Ertrag: (k)ein gutes Verhältnis im Innendienst?

  • Unterstützung durch die IHK

Die Veranstaltung ist kostenfrei. Die Einladung zum Versicherungstag gilt nach Anmeldung als bestätigt. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Anmeldung kann erfolgen bis zum 19. Februar 2018 online unter www.ihk.st/event/175107565.

Bei Fragen zur Anmeldung wenden Sie sich bitte an Zentrales Veranstaltungsmanagement, Telefon 0711 2005-1306, E-Mail: zvm@stuttgart.ihk.de

Versicherungstag der IHK Detmold

Der 10. Tag der Versicherungswirtschaft der IHK Detmold findet am 2. März 2018 in der Zeit von 9:30 bis 15:30 Uhr statt.

Referenten sind:

  • Joey Kelly, Ausdauersportler und Musiker;

  • Michael Krakow, Key Account Manager, Marketing- und Vertriebsleiter, Kommunikationsberater und Honorardozent, Autor des erfolgreichen Programms „Das Fisch Credo“, Inhaber mikrakom, Initiator von Quomodo;

  • Carsten Knoop, Dipl. Wirt.-Inf. und Geschäftsführer der audatis Consulting GmbH, Lehrbeauftragter an der Fachhochschule des Mittelstands, Bielefeld, Ausbilder für Datenschutzbeauftragte bei der TÜV Rheinland Akademie;

  • Stefan Lüersen, Versicherungskaufmann und Studium zum Versicherungsfachwirt, Stellv. Vorsitzender BVK OWL, Mitglied Vorstand BWV OWL.

Behandelt werden die folgenden Themen:

  • NO LIMITS – Wie schaffe ich mein Ziel“

  • Workshop für Auszubildende: „Ich gründe eine Versicherungsagentur…“

  • Das Fisch Credo

  • Cybersicherheit und Datenschutz in der praktischen Umsetzung

Eine Anmeldung zum Versicherungstag kann erfolgen bis zum 23. Februar 2018.

Ansprechpartnerin: Frau Alexandra Linneweber, Tel. 05231 7601-25, Fax 05231 7601-8025, E-Mail: linneweber@detmold.ihk.de

Mitarbeiter als Minijobber im Versicherungsbüro

Krankheiten von Mitarbeitern oder wiederkehrende Arbeitsspitzen machen immer wieder einen flexiblen Arbeitseinsatz notwendig. Meist führt es zu Mehrarbeit bei den vorhandenen Mitarbeitern. Warum also nicht für diese Zwecke eine geringfügig beschäftigte Person suchen, die die Arbeiten erledigen kann? Diese sogenannten Minijobber können die Lösung sein. Dabei sind sie auch von den Abgaben, die der Arbeitgeber und Arbeitnehmer leisten müssen, attraktiv. Doch was muss ich als Arbeitgeber bei der Einstellung und während des Vertragsverhältnisses beachten?

Wann liegt ein Minijob vor?

Beschäftigte, die bis zu maximal 450 Euro im Monat verdienen, gelten als Minijobber. Näheres ist im Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) geregelt, wonach Minijobber als Teilzeitbeschäftigte gelten. Minijobber sind im Arbeitsrecht mit den gleichen Rechten und Pflichten ausgestattet wie Vollzeitarbeitnehmer. Dabei macht es keinen Unterschied, ob der Mitarbeiter eine oder fünfzehn Stunden die Woche arbeitet.

Allerdings muss darauf geachtet werden, dass der Mitarbeiter im Monat nicht über die 450€ Grenze kommt, denn sonst fallen höhere Abgaben für Arbeitgeber und Arbeitnehmer an. Die Jahresverdienstgrenze liegt damit bei 5.400 €. Hat ein Mitarbeiter mehrere Minijobs, werden die Löhne addiert. Sollten Weihnachts- und Urlaubsgeld gezahlt werden, so wird dieses zum Jahreslohn hinzugerechnet, wodurch der Höchstbetrag ebenfalls überschritten werden kann.

Der Mindestlohn liegt aktuell bei 8,84 € und gilt für alle Arbeitsverhältnisse. Werden 50 Stunden im Monat geleistet, so wird ein Betrag von 442 € (50 x 8,84 €) erreicht. Folglich wird ab der 51. Stunden die Minjob-Grenze überschritten. Soweit der Tarifvertrag in der Apotheke greift, muss das Gehalt darüber ermittelt werden, so dass die monatliche Arbeitszeit unter 50 Stunden im Monat liegen kann.

Wie flexibel ist der Einsatz?

Bei einem neuen Mitarbeiter können Regelungen zu den Arbeitszeiten in den Arbeitsvertrag aufgenommen werden. Dieses kann beispielsweise ein fester Tag in der Woche (Samstag) sein, ein Zeitraum (täglich eine Stunde in der Zeit zwischen 15:00 und 17:00 Uhr) oder auch eine Wochenarbeitszeit. Die Vereinbarung hängt vom geplanten Einsatz und den Vertragsparteien ab. Ist eine Regelung im Arbeitsvertrag festgelegt, so kann sie später nicht mehr einseitig abgeändert werden. Der Arbeitsvertrag sollte daher nicht zu unflexibel gestaltet werden.

Für eine weitere Flexibilität hat der Gesetzgeber eine Ausnahme von der monatlichen 450€ Regelung geschaffen. Es bleibt eine geringfügige Beschäftigungen, wenn der Monatsbetrag nur gelegentlich und unvorhersehbar überschritten wird. Dabei wird als „gelegentlich“ ein Zeitraum von bis zu drei Monaten im Jahr akzeptiert. Zusätzlich muss der Grund für die Überschreitung unvorhergesehen gewesen sein. Dieses liegt zum Beispiel bei einem unerwartetem Ausfall eines Mitarbeiters vor, so dass kurzfristig eine Vertretung benötigt wird. In dieser Zeit kann die Grenze von 450 € überschritten werden. Am Jahresende dürfen es aber trotzdem nicht mehr als 5.400 € sein.

Was muss bei der Einstellung beachtet werden?

Ein Minijobber besitzt die gleichen Rechte und Pflichten wie jeder andere Mitarbeiter. Der Arbeitgeber muss aber darauf achten, dass aus einem Minijob nicht eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wird. Denn in diesem Fall muss er mehr und höhere Abgaben bezahlen. Das wäre der Fall, wenn neben einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung mehr als ein Minijob ausgeübt wird, einer jedoch ist erlaubt. Ein Minijob neben der Hauptarbeit beim gleichen Arbeitgeber ist hingegen nicht erlaubt. In diesem Fall werden die Tätigkeiten zusammengerechnet.

Besteht keine sozialversicherungspflichtige Haupttätigkeit dürfen mehrere Minijobs bei verschiedenen Arbeitgebern ausgeübt werden, die zusammen die monatliche Grenze von 450 € nicht übersteigen dürfen. Anderenfalls tritt die Versicherungspflicht ein und jeder der Arbeitgeber muss höhere Abgaben leisten. Dieses betrifft nicht nur den überschießenden Betrag, sondern das gesamte Gehalt. Entsprechend muss eine Vereinbarung im Arbeitsvertrag aufgenommen werden, dass der Arbeitnehmer bei Vertragsbeginn verpflichtet ist, alle Tätigkeiten zu nennen und alle zukünftigen Beschäftigung zu melden. Nur so kann sich der Arbeitgeber von möglichen Nachforderungen schützen.

Was kommt an Abgaben zum Lohn hinzu?

Der Arbeitgeber muss für einen geringfügig beschäftigten Mitarbeiter folgende pauschale Beiträge und Abgaben an die Minijob-Zentrale1 abführen:

  • 13 Prozent des Arbeitsentgelts zur Krankenversicherung (soweit der Arbeitnehmer nicht privat krankenversichert ist)

  • 15 Prozent des Arbeitsentgelts zur Rentenversicherung,

  • 2 Prozent des Arbeitsentgelts als einheitliche Pauschalsteuer (bei Verzicht auf die Vorlage der Lohnsteuerkarte),

  • 1,2 Prozent des Arbeitsentgelts als Umlagen (nach dem Aufwendungsausgleichsgesetz).

Es sind also 31,2 Prozent des Arbeitsentgelts des Minijobbers vom Arbeitgeber als Abgabe zu zahlen. Bei einem 450-Euro-Beschäftigten macht das 140,40 Euro zusätzlich pro Monat für den Arbeitgeber. Ein Minijobber auf 450-Euro-Basis kostet den Arbeitgeber folglich 7.084,80 Euro pro Jahr (zwölfmal 450 Euro Arbeitslohn und zwölfmal 140,40 Euro Pauschalbeitrag).

Gibt es auch Lohnfortzahlung im Krankheitsfall?

Einen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gibt es auch für Minijobber, gleiches gilt bei Schwangerschaft und Mutterschutz. Der Grundsatz lautet, dass Teilzeitbeschäftigte nicht unbegründet schlechtergestellt werden dürfen.

Kann ich den Vertrag jederzeit beenden?

Teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmer haben grundsätzlich den gleichen Kündigungsschutz wie vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer. Das betrifft sowohl den allgemeinen Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz (KSchG), als auch den besonderen Kündigungsschutz. Hierunter fällt unter anderem das Mutterschutzgesetz (MuSchG), das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG).

Das Kündigungsschutzgesetz greift, wenn in einem Betrieb regelmäßig mehr als zehn Arbeitnehmer ‒ ohne Auszubildende − beschäftigt sind und das Arbeitsverhältnis mindestens sechs Monate ununterbrochen bestanden hat.

Hinweis

Ein Rechner für die Berechnung der Abgaben befindet sich auf der Internetseite der Minijob-Zentrale2.

Nicht berücksichtigt sind dort die Kosten für die Unfallversicherung. Diese kommen zusätzlich hinzu. Die Meldung an die zuständige Unfallversicherung muss durch den Arbeitgeber zusätzlich erfolgen.

Wie erfolgt die Übermittlung?

Die Übermittlung der Sozialversicherungsdaten und der Beitragsnachweise muss auf elektronischem Weg erfolgen. Dazu dürfen nur Programme genutzt werden, die die datenschutzrechtlichen Sicherheitsanforderungen erfüllen. Entsprechende Programme hat der Steuerberater, der die Lohnabrechnung erstellt. Alternativ wird über die Seite der Minijob-Zentrale eine kostenlose Software (SV.Net) zur Verfügung gestellt.

Weiterführende Links zu dem Thema

Artikel zum Thema Minijob und Rentner finden Sie beim VersicherungsJournal.

Das BWV-Hannover bietet ein arbeitsrechtliches Seminar mit Herrn Fleck als Referenten an. Eine Anmeldung kann hier erfolgen.

Ein Buch zum Thema der selbstständige Vermittler als Arbeitgeber kann beim VersicherungsJournal erworben werden

Forum Versicherungsrecht: Der Umgang mit Ziel- und Interessenkonflikten bei Versicherern und in Versicherungsgruppen

Das Instituts für Versicherungsrecht aus Düsseldorf läd ein zu einer neuen Veranstaltung

am 19. Februar ab 19:00 Uhr im Haus der Universität.

Dr. Dirk Christoph Schautes, Chefsyndikus/General Counsel, ERGO Group AG, Düsseldorf, und Guido Brockhausen, Rechtsanwalt/Counsel, Hogan Lovells International LLP, Düsseldorf, referieren über das Thema „Der Umgang mit Ziel- und Interessenkonflikten bei Versicherern und in Versicherungsgruppen“.

Zur Anmeldung gelangen Sie hier.

 

Umsetzung der IDD. Gemeinsame Veranstaltung der DHBW Heidenheim und des BWV Südwest

Des BWV Südwest, Standort Ulm und der DHBW Heidenheim laden zur gemeinsam

Veranstaltung zum Thema „Umsetzung der IDD“ ein.

Die Veranstaltung findet

          am 17. Januar 2018,

          um 16.30-19:00 Uhr,

in der DHBW Heidenheim, Marienstraße 20, 89518 Heidenheim, Raum M203, 2. OG statt.

Als Referenten sind geladen:

     Herr Martin Gräfer, Mitglied der Vorständer, die Bayerische und

     Herr Werner Biberacher, Geschäftsführer, PROMA Versicherungsmakler GmbH.  

Die Vorträge beleuchten die Schritte zur Umsetzung der IDD und gebeten wertvolle praktische Hinweise.

Um Anmeldung wird gebeten: Fax: 07 31 – 71 88 04 56 oder E-Mail: stefan.kuhnert@bwv.de

 

Weitere Links zur DHBW und dem Circel

      Zusammenarbeit mit dem VAG

      facebook

Der unabhängige Versicherungsmakler

Im Jahr 2012 veröffentlichten die Autoren Rausch/Fleck/Becker beim C. H. Beck-Verlag zusammen das Buch „Der unabhängige Versicherungsmakler“. Der Schwerpunkt dieses Buches liegt auf den beruflichen Erfahrungen des Versicherungsmaklers Rausch. Die Unabhängigkeit der Maklerschaft gegenüber den Versicherungsunternehmen ist ihm über die Jahre immer ein großes Anliegen gewesen.
Das Buch richtet sich an Personen, die den Berufsstand des Versicherungsmaklers ergreifen wollen. Es enthält aber auch viele nützliche Tipps zur Beratung und dem Aufbau eines Bestands. Im Zeitalter von „IDD“ und „Beratungsprozessen“ mögen die Inhalte als selbstverständlich erscheinen. Das Buch selbst war aber seiner Zeit voraus und wurde damals kritisch beeugt. Das Buch hat daher an Aktualität nichts verloren.

Es folgt nun ein Auszug.

Vorwort
Dieses Buch richtet sich an diejenigen Kollegen und Kolleginnen, die den Entschluss gefasst haben, ihre bisherige berufliche Tätigkeit unter dem Primat der Ausschließlichkeitsbindung aufzugeben, um stattdessen in eigener Kompetenz den Beruf des unabhängigen Versicherungsmaklers auszuüben, sowie an Betriebsneugründer, die sich nun nach Abschluss ihrer Fachstudien oder Fachausbildungen im Versicherungsmarkt positionieren wollen. Auch Einsteiger aus artverwandten Branchen, wie dem Immobilien- oder Bankensektor, sollen mit diesem Ratgeber eine praktische Unterstützung erhalten.

Über die Hilfe zur Selbsthilfe wird der Schritt aus beruflicher Abhängigkeit in berufliche Unabhängigkeit begleitet und erleichtert, denn anfangs noch fehlende immaterielle Güter und Werte wie Informationen, Erfahrungen, Fachwissen, Spezialkenntnisse und Marktübersichten müssen direkt verfügbar sein, um eine erfolgreiche Etablierung im hart umkämpften Markt zu erreichen. Der damit verbundene Kosten – Nutzen – Effekt ist nicht zu unterschätzen. Im Übrigen verzichtet der Verfasser bewusst auf weit reichende theoretische Abhandlungen oder unübersichtliche graphische Darstellungen zu volkswirtschaftlichen, betriebswirtschaftlichen oder juristischen Sachverhalten, die in entsprechenden Fachlektüren nachgelesen werden können.

Eine Einführung in die grundsätzlichen unternehmerischen Fragen zur Rechtsform, steuerlichen Gestaltung oder finanziellen Ausstattung Ihres Betriebes dürfen Sie also nicht erwarten. Dies sind vorgelagerte, rein kaufmännische Überlegungen, die mit Steuerberatung, Rechtsberatung und Unternehmensberatung vor der eigentlichen Betriebsgründung abgestimmt werden müssen.

Zielsetzung dieses Ratgebers ist im wörtlich zu nehmenden Sinne und ausschließlich die Bereitstellung von praxisnahen Sachinformationen, die auf der langjährigen Erfahrung des Autors beruhen. Daraus lassen sich aber keineswegs Ansprüche auf Vollständigkeit, Rechtssicherheit, Anwendungszweck oder Handlungszwang ableiten, denn die inhaltlichen Darlegungen folgen praktizierten Handhabungen, Umgangsformen, Definitionen oder Abläufen zwischen den beteiligten Parteien, die letztlich nur im Dissens oder Konsens entschieden werden können.

Änderungen der geschilderten Handlungsmuster und Handlungsparameter sind durchaus denkbar, insbesondere wenn juristische Entscheidungen in das Dreiecksgefüge zwischen Versicherungsmakler, Versicherungsnehmer und Versicherungsunternehmen einwirken.

Hier sei als Beispiel die Reform des Versicherungsvertragsgesetzes zum 01. Januar 2008 als Folge der EU – Vermittlerrichtlinie genannt, in deren Umsetzungssog auch gleich die Gewerbeordnung, die Versicherungsvermittlungsverordnung, das Finanzmarkt – Richtlinien -Umsetzungsgesetz sowie die Informationspflichtenverordnung umgestaltet oder erneuert wurden. Mit weit reichenden Folgen für alle Beteiligten, wie Ihnen die folgenden Ausführungen noch zeigen werden.

Dietmar Rausch

Glees, im Juni 2012

 

Maklerbetreuung

…. Eher dürfte es Sie in ungläubiges Erstaunen versetzen, mit welcher Spezies Sie es zu tun bekommen. Da hätten wir zunächst den mobilen Maklerbetreuer, der am Handy telefonierend eintritt und damit unmissverständlich kundtut, das Zeit für ihn ein kostbareres Gut ist als Wissen und das ihm andere Dinge wichtiger sind als Ihr Anliegen auf Zusammenarbeit.

Ratschlag:

Nach erfolgter Begrüßung diskrete Verweisung aus den Geschäftsräumen wegen fehlender Konzentration und Missachtung geschäftlicher Gepflogenheiten.

Ihm am ehesten zuzuordnen wäre dann der umfunktionierte Ausschließlichkeitsbetreuer, der Ihnen kompromisslos deutlich sein erfolgreiches „Produktionsmanagement“ am Einfirmenvermittler mit parallelisierender Übertragungsanwendung schildert und im übrigen unverhohlen damit droht, für seinen Einsatz (den er in keiner Weise verbindlich präzisiert), kontinuierlich steigende Produktionsleistungen zu erwarten.

Ratschlag:

Den Status des unabhängigen Versicherungsmaklers vom Vorgesetzten erklären lassen und zu diesem Zweck ebenfalls freundlich aber bestimmt aus den Räumlichkeiten weisen.

Besucht Sie daraufhin unangemeldet der Vorgesetzte des Ahnungslosen, nämlich sein kurz vor dem Ruhestand stehender weißhaariger oder braungebrannter Bezirksdirektor, dann ist Vorsicht geboten. Diese Hardliner im Vertrieb haben häufig überhaupt keinen Respekt vor unserer Entscheidung und missachten überdies bewusst den menschlichen Faktor. Ihr Lebensbild wird ausschließlich von Produktionsvorgabe und Produktionsergebnis geprägt. Maklereinwände sind unerwünscht, denn das Produkt verkauft sich nicht über den Preis. Vielmehr (so hört man es immer wieder von diesen alten Strategen) spiegelt der überhöhte Preis höheren Qualitätsstandard wieder, so dass beratungstechnisch die Abschlussbereitschaft der umworbenen Zielgruppe de facto bereits vorliegt und deshalb nur noch die Ernte eingefahren werden muss. Staunen Sie bitte nicht zu lange über diese unbelehrbaren und schon antiquierten Ansichten. Eine Zusammenarbeit unter Leistungsvorgaben mit Festlegung von Sollzahlen ist absolut nicht mit unserem Berufsstand vereinbar, weshalb wir den Bezirks- oder Filialdirektoren mit vergleichbarer Dreistigkeit begegnen müssen und die Zusammenarbeit mangels Konzept und Kenntnis der Berufsstandsregeln ablehnen sollten.

Überfallkommandos stellen ein weiteres, gern genutztes Kontaktmittel für erste Maklerbegegnungen dar. Mindestens zwei, meist jedoch drei bedeutend gekleidete Personen fahren in luxuriöser Limousine vor und machen Angst. Mit gewichtiger Mimik werden Ihnen unfreiwillig die Inhalte zahlloser und hochglänzender Imagebroschüren zu Gemüte geführt, die Selbstdarstellung findet kein Ende. Gelegentlich notwendige und kritische Zwischenfragen werden als bedeutungslos abgetan und man macht Ihnen klar, dass Sie mit diesem Unternehmen den Volltreffer gelandet haben. Bevor Sie dann endlich Ansätze für eine tiefer gehende Befragung gefunden haben, legt man Ihnen in exquisiter, hochwertiger Unterschriftsmappe vorbereitete Verträge zur späteren Einsichtnahme und Rücksendung auf den Tisch. Danach wird die Freude über die künftig erfolgreiche Zusammenarbeit einseitig hervorgehoben und schon macht sich die Versicherungsmannschaft wegen weiterer anstehender Termine aus dem Staub, Sie nicht im geringsten Zweifel darüber zurücklassend, dass die Geschäftsbeziehung mit ihnen den eigenen, geäußerten Erwartungen entsprechen wird.

Was soll man dazu sagen? Die Erfahrung des Autors hat gezeigt, dass Sie in aller Regel bei diesen Unternehmen hoch dotierte Finanzdienstleistungen angeboten bekommen, weil Geld als unverzichtbares Statussymbol angesehen und eindrucksvoll mit dem Berufsbild des Versicherungsmaklers in Verbindung gebracht wird. Günstige Prämien für eine begrenzte Stückzahl von Sachverträgen im Privatkundenbereich wird man Ihnen aber ganz sicher nicht einräumen.

Hin und wieder findet die erste Begegnung zwischen Makler und Betreuer nur telefonisch oder schriftlich statt. Entweder haben Sie einen Direktversicherer erwischt, der immer noch glaubt ohne Sie auszukommen, oder Sie haben es mit einem Direktversicherer zu tun, der Ihnen gar nichts glaubt und süffisant über die Leitung mitteilt, dass er nur dann eine Kooperation eingeht, wenn zuvor durch Eingabe von Anträgen die tatsächliche Bereitschaft auf Zusammenarbeit nachweislich und Ihrerseits erbracht wurde. Doch wie soll diese systematisch einseitige Zuwendung an das Versicherungsunternehmen funktionieren?

Auch hier gilt:

Hörer auflegen oder Brief in den Schredder. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt!

Nun könnte man ohne große Umschweife nach Erfahrungen dieser Art zu der Einsicht gelangen, dass ein großer Teil der Versicherer überhaupt keine Maklerberührungen sucht. Und genau das entspricht der Sachlage.

 

 

Erfahrungsbericht mit dem digitalen Versicherer FRIDAY

Der Druck der Digitalisierung in der Versicherungswirtschaft entsteht auch durch die Erfahrungen des Kunden aus der gesamten online Einkaufswelt. Die Verfahren müssen schnell, einfach und preisgünstig sein bei einem gleichzeitig hohem Service. Eigentlich ein Widerspruch, der im Onlinehandel aber vorgelegt wird. Gleichzeitig ist es eine der Gründe, warum es nach digitalen Vermittlern nun auch digitale Versicherer gibt.

Zu FRI:DAY

Seit Jahren wird die Versicherungswirtschaft immer digitaler. Seit dem Jahr 2017 werden die Versicherer selbst digital. Einer der ersten Sprößlinge ist die Versicherung mit Namen FRIDAY. Mutter der jungen Gesellschaft ist eine Versicherung der alten Gerneration, die Baloise. Chef in Deutschland ist Herr Christoph Samwer.

Name

Der Name mag zuerst verwundern. Wie (fast) alle jungen Versicherer wollen dieses das Wort Versicherung nicht benutzen. Es ist mit zu vielen nagetiven Eigenarten besetzt. Das ist bei Freitag anders. Es ist der letzte Tag vor dem Wochenende, kurz vor dem Wochenende und soll damit positiv besetzt sein.

Aufmachung der Seite

Öffnet man die Webseite, so drängt sich in der Mitte der 1 Cent Tarif auf. Er springt förmlich aus dem Bildschirm den Betrachter an.

Sonst ist die Seite gestaltet, wie man es aktuell erwartet. Sie ist übersichtlich und nicht überladen. Weiterhin sind Informationen zum Team (es wird nicht mehr von Mitarbeitern gesprochen) oder ein Blog üblich. Dadurch soll die Versicherung ihre Anonymität verlieren. Vielmehr kann sich so der Kunde als Teil des Teams bzw. der Community fühlen.

Antragsprozess

FRIDAY möchte in den kommenden fünf Jahren eine sechsstellige Kundenanzahl erreichen. Dabei ist der Onlineverkauf nicht einfach. Ganz wesentlich für den erfolgreichen Verkauf ist dabei der Antragsprozess. Der Antrag soll einfach, schnell und bequem ausfüllbar für den Kunden sein, sonst springt der Kunde ab. Mit jeder weiteren Minute, die der Kunde für die Formulare benötigt, erhöht sich die Absprungwahrscheinlichkeit. Nicht umsonst hat sich Check24 im Gerichtsverfahren aus dem Jahr 2017 gegen jede einzelne zusätzliche Frage gewehrt, die ihm bei der Online-Beratung auferlegt werden sollte.

Diese Probleme begegnet FRIDAY indem der Abschluss digital, papierlos und in 90 Sekunden abgeschlossen werden kann.

1 Cent Tarif

Zielgruppe von FRIDAY, so nach Angabe von Herrn Samwer, sind nach eigenen Angaben Menschen bis 50 Jahre, junge Familien und Young Professionals aus dem urbanen Raum. Es geht dabei um Personen, die nicht nur auf das Auto angewiesen sind sondern auch andere Fortbewegungsmittel nutzen können, wie öffentliche Nahverkehrsmittel, Taxi, Fahrrad oder Carsharing.

Der Tarif basiert (immer) auf einem monatlichen Grundbeitrag und den gefahrenen Kilometern (pro Kilometer 1 Cent oder mehr). Dazu gibt der Kunde bei Vertragsschluss die geschätzte Kilometerleistung an. Fährt er mehr, muss er nachzahlen, fährt er weniger, bekommt er etwas von der Kilometerleistung zurück.

Ein weiterer Vorteil für die Kunden ist die tägliche Kündigungsmöglichkeit des Vertrags.

Selbsttest

Der 1 Cent Tarif hört sich interessant an. Daher mache ich gleich den Selbsttest. Ich fahre etwa 20.000 km im Jahr. Dann wäre die Prämie bei 200 € und das wären mehr als die Hälfte weniger als ich jetzt zahle. Auch bei reduzierten Verwaltungskosten zu “Altversicherern“ kann ich mir eine solche Preisdifferenz nicht vorstellen. Der Großteil der Prämie in der Kfz-Versicherung wird bekanntlich für die Schäden verwendet. Das kann bei FRIDAY nicht anders sein.

Nun zum Selbstversuch. Den Antragsprozess durchlaufe ich schnell und einfach. Ich habe keine Unterlagen mit und trotzdem bekomme ich mit wenigen Angaben ein Versicherungsangebot. Darüber bin ich sehr positiv überrascht, sogar schon etwas begeistert.

Der Preis ist dann nicht schlecht aber auch nicht gut. In jedem Fall ist er weit weg von einem Cent pro Kilometer. Überrascht bin ich über die zusätzliche Monatsgebühr. Ähnlich wie beim Stromtarifen, wo zu den Verbrauchsgebühren noch Grundgebühren hinzukommen. Diese Grundgebühren verdoppell noch einmal meine Prämie. Ich liege umgerechnet nicht bei 1 Cent sondern mit den Gebühren bei etwa bei 2,5 Cent. Das bedeutet aber, dass ich selbst dann, wenn ich mein Auto das ganze Jahr stehen lasse, maximal die Hälfte wiederbekomme. Bei der Grundgebühr komme ich mir vor wie auf Flugvergleichsseiten, die kurz vor dem Bezahlvorgang höhe Gebühren aufschlagen und so aus einem billigen einen teuren Flug machen. Darüber bin ich verärgert. Ich suche im Netz nach anderen Erfahrungsberichten. Die Eintragungen die ich dort finde bestätigen meine subjektive Ansicht. Auch dort fühlt man sich an der Nase herumgeführt. Warum nicht schon vorher auf die monatlichen Beträge verwiesen wird erklärt sich mir nicht.

Auch das eigene Beispiel von FRIDAY zum 1 Cent Tarif hat eine monatlichen Grundgebühr. Es gibt also keinen Vertrag ohne!! Darüber hinaus verstehe ich das Beispiel nicht. Es geht um einen VW Lupo mit einer jährlichen km-Leistung von 6.000 km. Bei der Tarifgruppe wird eine jährliche km-Leistung von 11.4000 km angegeben. Der Betrag beläuft sich auf 8,13 € monatlich. Die Rechnung kann ich nicht nachvollziehen. Worauf bezieht sich der Beitrag? Auf die 6.000 km oder die 11.400 km? Ist in den 8,13 € schon ein Differenzbetrag (Rückerstattung oder Nachzahlung) eingerechnet?

 friday 1 Cent Beispiel

Wenn man sich die Informationen auf der gesamten Homepage zusammensucht, so finet man den Hinweis, dass der 1 Cent Tarif besonders für Wenigfahrer bis 6000 km geeignet sei. Zusätzlich gibt es auch den klassischen Tarif (Friday Original). Diesen habe ich für mein Beispiel ebenfalls ausrechnen lassen. Bei meiner Fahrleistung war er preisgünstiger als der 1 Cent Tarif. Schade finde ich, dass man darauf nicht hingewiesen wird! 🙁 Warum wird bei dem Ergebnis des 1 Cent-Tarifs nicht der klassische Tarif mit angeboten? Denn wenn der preisverwöhnte Online-Kunde den 1 Cent-Tarif nicht abschließt ist er weg! Die Konkurrenz ist Online näher als im persönlichen Vertrieb.

 

Fazit

Viel Licht aber auch Schatten 

Der Antrag ist sehr schnell ausgefüllt. Es gibt keine großen Hürden, warum der Kunde den Prozess verlassen sollte.

Der Tarif selbst ist nicht ganz neu. Auch jetzt schon gibt es Tarife, die sich nach der Kilometerleistung staffeln. Davon abhängig wird der Prämie berechnet. Ob man es nun Grundbetrag und Kilometerpauschale nennt oder ein einheitlicher Betrag berechnet wird, macht für den Kunden keinen Unterschied. Neu ist jedoch, dass der Kunde für weniger Fahrleistung einen Teil seiner Prämie wiederbekommt. Dieses wird den Kunden freuen. Vermutlich ist dieses sogar ein Alleinstellungsmerkmal von FRIDAY am Markt. Auch bei der täglichen Kündigungsfrist kann FRIDAY punkten.

Das gewählte Beispiel, um den 1 Cent Tarif zu erklären, ist verwirrend. Dieses hätte man besser erklären können.

Im Preis scheint FRIDAY nicht der Billiganbieter zu sein, wenngleich er preisgünstig ist. Damit wird es der Neue im Onlinemarkt vermutlich schwer haben. Online-Wechseler wollen es häufig besonders preisgünstig. Angelockt werden sie durch die Vorstellung, dass sie nur für ihre gefahrenen Kilometer zahlen. Von einer monatlichen Grundgebühr erfährt man erst am Ende des Antragsprozesses. Hiermit schadet sich der neue Versicherer selbst. Denn diese Besuche werden so schnell nicht wiederkommen.

Weitere Links zu FRIDAY

Erfahrungen anderer Kunden.

Erfahrungsbericht von Herrn Krautkrämer mit einem Eigentest.

Pressebericht zu FRIDAY

Veranstaltung Forum Versicherungsrecht 11. Dezember 2017

Das Forum Versicherunsrecht der Heinrich Heine Universität Düsseldorf läd zu seiner Veranstaltung

Datenschutz im Versicherungsrecht

für den 11. Dezember 2017

um 18:30 Uhr

im Haus der Universität ein.

Referenten:

  • Dr. Martina Vomhof, Leiterin Datenschutz/Grundsatzfragen, Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V., Berlin
  • Tim Wybitul, Rechtsanwalt/Partner, Hogan Lovells International LLP, Frankfurt am Main

 

Umsetzung der Insurance Distribution Directive

Es folgt ein Gastbeitrag von Herrn Dr. Maximilan Teichler.

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Seit Bundestag und Bundesrat die Gesetze beschlossen haben, welche die „Insurance Distribution Directive – IDD“ zum Februar 2018 in deutsches Recht umsetzen werden, ist vieles klarer.

Die Umsetzung war u.a. deshalb umstritten, weil die große Koalition zusätzlich zur eigentlichen Umsetzung der Richtlinie die Honorarberatung stärken wollte und dabei ganz auf die Honorarberater gesetzt hat. Mit der Beseitigung dieses und einiger anderer Streitpunkte haben wir jetzt eine gute gesetzliche Grundlage zur Weiterentwicklung des Versicherungsvertriebsrechts und der dazu gehörenden Geschäftsorganisation. Die „Feinjustierung“ wird durch Verordnungen geschehen, die wir z.T. für den Herbst, z.T. allerdings auch erst im Frühjahr 2018 erwarten.

 

Die Veränderungen im Überblick:

Erstmals gibt es eine einheitliche Regelung für alle Formen des Versicherungsvertriebs. Bisher waren in erster Linie Versicherungsmakler und –Vertreter sowie -Berater reguliert. Jetzt kommen alle Formen des Direkt- und Online-Vertriebs hinzu. Alle zusammen heißen jetzt „Versicherungsvertreiber“. Auch sonstige Beratungsstellen (Verbraucherzentralen) sind angesprochen.

Die Neufassung definiert auch, was alles zum Versicherungsvertrieb gehört. Versicherungsvertrieb ist nach den neuen Regelungen alles von der Vorbereitungshandlung (Ermittlung des Risikos), über Vertragsangebote und -vorschläge, bis hin zur Hilfe bei der Erfüllung und Administration der Versicherungsverträge. Auch die Unterstützung im Schadenfall gehört zum „Versicherungsvertrieb“.

Alle am Versicherungsvertrieb Beteiligten müssen sich „ehrlich, redlich, und professionell“ verhalten und müssen im „bestmöglichen Interesse ihrer Kunden“ handeln.

Jeder Versicherungsvertreiber, der ein Versicherungsprodukt entwirft, muss sicherstellen, dass dieses Produkt dem Zielmarkt entspricht, für den es gedacht war. Das Interesse des Kunden ist also schon im Vorfeld des Vertriebs zu berücksichtigen.

Zukünftig werden sich alle Versicherungsvertreiber einer jährlichen Weiterbildung unterziehen müssen; 15 Zeitstunden sind hier Pflicht. Diese Pflicht gilt für alle, die tatsächlich am Vertrieb beteiligt sind – da spielt dann die inhaltliche Definition wieder eine große Rolle.

Eine „unsichtbare“ Änderung findet in den Vorgaben statt, die die Aufsicht betreffen: Die Aufsicht handelt zukünftig nicht mehr regelbasiert, sondern prinzipienorientiert. Das wird dazu führen, dass die beaufsichtigten Unternehmen viel eigenständiger handeln müssen.

Nicht oder nicht sehr verändert worden sind die Beratungs- und Informationspflichten mit ihren entsprechenden Dokumentationen. Auch die anfängliche Qualifikation wird sich wohl nicht ändern. Allerdings werden sich alle Versicherungsvertreiber (Versicherer, deren Angestellte und die Vermittler) nach der Erst-Qualifikation weiterbilden müssen.

Dr. Maximilian Teichler

Der Text wurde zuerst bei Haufe Verlag veröffentlicht.

 

Über den Autor

Die 2016 von Dr. Teichler gegründete Kanzlei für Versicherungsmanagement befasst sich vor allem mit der Umsetzung rechtlicher Änderungen in Unternehmen der Versicherungsbranche. Aktuell sind dies u.a. die Folgen des BGH-Urteils zur Schadenbearbeitung durch Versicherungsmakler (14. Januar 2016, I ZR 107/14) und die Anforderungen der „Insurance Distribution Directive – IDD“ an die Geschäftsorganisationen aller Beteiligten im Versicherungswesen. Daneben ist die Beratung in schwierigen Deckungsfragen, vor allem in solchen mit internationalem Bezug, ein Schwerpunkt der Kanzlei.

Dr. Teichler, der viele Jahre in leitender Funktion bei Versicherungsmaklerunternehmen tätig war, möchte über die Beschreibung der rechtlichen Notwendigkeiten hinaus die Unternehmen der Versicherungsbranche darin unterstützen, diese rechtlichen Notwendigkeiten umzusetzen. Neben der aufsichts- und gewerberechtlichen Richtigkeit dieser Umsetzung steht dabei die Effizienz der Ablaufprozesse im Vordergrund. Die Innovationsfähigkeit der Branche ist sicher noch nicht an ihre Grenzen gestoßen, was Prozessökonomie, Fehlerreduktion und Vermeidung von Doppelarbeiten angeht.

Dr. Teichler hält Vorlesungen an der HSBA (Hamburg School of Business Administration) zum Versicherungs-Vertriebs-Recht, ist Mit-Veranstalter von Seminaren zur IDD, Referent für den Maklerverband VDVM (zuletzt zum Urteil des BGH zur Schadenregulierung durch Makler) und Referent für das MWV (zusammen mit Prof. Beenken, Dortmund, zur IDD).

Kontaktdaten

Große Elbstrasse 36, D-22767 Hamburg. Tel: +49-40-31 77 97 – 40 und +49-171-6 43 43 61

E-mail Rechtsanwalt@teichler-hh.de und attorney@teichler-hh.com

 

 

 

 

Zurechnung ungelesener Informationen (BGH Az. III ZR 93/16)

Auseinanderfallen von Beratung und erhalten schriftlichen Informationen

In dem vom BGH (Urteil vom 23. März 2017 Az. III ZR 93/16) entschiedenen Fall wurde ein Anleger beraten. Die Beratung führte zu einer Anlageentscheidung. Anschließend erhielt der Kunde den Zeichnungsschein, der auf wesentliche Risiken der getroffenen Entscheidung hinwies. Diese Risiken waren nicht Gegenstand der Beratung. Der Kunde unterschrieb das Dokument, ohne sich den Text durchzulesen. Dadurch fiel ihm der Widerspruch zwischen der Beratung und dem Inhalt des Scheins nicht auf.

Das Urteil beschäftigt sich mit der Frage, ob der Kunde die Risiken hätte kennen müssen, bzw. ob der Kunde für sein Nichtwissen selbst verantwortlich ist.

Ob sich der Kunde sein eigenes Verhalten zurechnen lassen muss und damit grobe Fahrlässigkeit in eigener Sorgfalt vorliegt oder ob er auf die Beratung vertrauen durfte, hängt von den Gesamtumständen ab. Alleine dadurch, dass er den Zeichnungsschein unterschrieben hat, muss er sich dessen Inhalt als sein Wissen nicht zurechnen lassen, so der BGH.

Bei der Bewertung kommt es auf die Gesamtumstände an. Liest ein Kunde ihm übergebene Informationen nicht, so muss er sich diese trotzdem zurechnen lassen, wenn er naheliegende Überlegungen nicht angestellt hat oder nicht beachtet hat, was im gegebenen Fall jedem hätte einleuchten müssen. Grundsätzlich darf jeder Kunde auf die im Gespräch vom Berater erhaltenen Informationen vertrauen. Er muss nicht damit rechnen, dass es darüber hinaus noch Risiken gibt, die ihm erst nach der Beratung schriftlich mit den Abschlussunterlagen übergeben werden.

Fazit

Auch wenn dieses Urteil den Anlagenbereich betrifft, ist es auf die Beratung in der Versicherungsbranche für alle Sparten übertragbar. Die Beratungspflicht und deren Dokumentation kann nicht allein durch die Überlassung von Kundeninformationen ohne Besprechung abgewälzt werden. Werden die schriftlich übergebenen Informationen nicht im Gespräch ausgeführt, waren sie nicht Bestandteil der Beratung, unabhängig davon, ob sie in den Dokumentationsunterlagen abgelegt wurden (BGH Urteil vom 17. März 2016 Az. III ZR 47/15).

Weitere Ausführungen zu dem Thema Beratungspflichten und Dokumentation finden Sie hier: Aktuelle Entwicklung zur gesetzlichen Dokumentationspflicht, Zeitschrift für Versicherungswesen 6/2017

Veranstaltungen 2017

An dieser Stelle wieder ein Hinweis auf die Veranstaltung vom Forum Versicherungsrecht der Heinrich Heine Universität Düsseldorf.

Thema: Kooperationen mit InsurTechs

Termin: Montag, 18. September 2017 19:30 bis 21:00 Uhr

Veranstaltungsort: Haus der Universität

Veranstalter: Institut für Versicherungsrecht

Referenten: Anne Fischer, LL.M., Rechtsanwältin/Counsel, Allen & Overy LLP, Düsseldorf, Dr. Alexander Franz, Legal Counsel, Allianz SE, München, und Dr. Sebastian Herfurth, Geschäftsführer, Friendsurance, Alecto GmbH, Berlin,

Zur Anmeldung gelangen Sie hier.